Kein Standort ausgewählt St. Antonius-Krankenhaus St. Barbara-Hospital St. Josef-Hospital Seniorenzentrum St. Hedwig

360 Grad Der Themenblog der KKEL

RSS-Feed abonnieren
Zurück zur Übersicht

Rückengerechtes Arbeiten in der Pflegepraxis

Ein Artikel von Elisabeth Roszak

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass Pflege „Knochenarbeit“ ist und die Beschäftigten dort erheblichen Rückenbelastungen ausgesetzt sind. Wenn Pflegekräfte einen Patienten mit der „Hauruck-Methode“ vom Bett in den Rollstuhl setzen, tut das keinem der Beteiligten gut. Die Pflegenden belasten ihren Rücken, der Pflegebedürftige verkrampft sich und verliert seine Selbstständigkeit. Pflegende sollen bei ihrer Arbeit auf eine rückenschonende Arbeitsweise achten und Patienten rehabilitativ in deren Bewegung fördern, aktivieren und unterstützen.

Expertenstandards wie „Sturzprophylaxe“ und ab 2016 „Förderung der Mobilität“ sollen qualifiziert umgesetzt werden. Pflegende sollen Konzepte der aktivierend therapeutischen Pflege im Rahmen der neurologischen und geriatrischen Rehabilitation umsetzen.

Wie lässt sich die Gesundheit der Mitarbeitenden fördern und zugleich die Pflegequalität verbessern?

Wie kann man trotz Zeitdrucks den Menschen gerecht werden und Rückenbeschwerden vorbeugen? Diese Fragen beschäftigen auch die KKEL. In Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft BGW wurde das Thema rückengerechtes Arbeiten grundlegend analysiert und Maßnahmen eingeleitet. So wurden bereits in der 2. Jahreshälfte 2014 im Hinblick auf Rückengesundheit und Achtsamkeit mehrere Veranstaltungen durch die innerbetriebliche Fortbildung Pflege angeboten. KKEL-intern wurden Kinästhetik-Grundkurse durch eine qualifizierte Kinästhetiktrainerin für unsere Praxisanleiter in der Pflege angeboten.

Im Zuge des Projekts „Rückengesundheit“ haben sich folgende Schwerpunktthemen herauskristallisiert:

  • Schulung und Qualifikation möglichst vieler Mitarbeiter zu Bewegungskonzepten. Dabei stellt das Konzept der Kinästhetik die Basisqualifikation dar. Sie ist Bestandteil weiterer Bewegungs- und Aktivierungskonzepte.
  • Bedarfsorientiertes Angebot von Hilfsmitteln in der Pflege.

Kinästhetik ist ein Bewegungskonzept, das in der Pflege als Grundlage von Bewegungsunterstützung und -konzepten Verwendung findet. Das Wort „Kinaesthetics®“ setzt sich aus KINESIE (Bewegung) und AESTHETICS (Wahrnehmung) zusammen. Das Kinaesthetics-Konzept wurde von den Verhaltenskybernetikern Dr. Lenny Maietta und Dr. Frank Hatch entwickelt. Es besteht aus sechs Konzepten, die das Fundament des Lernsystems bilden. Diese Konzepte sind als Ergebnis des Studiums der menschlichen Bewegung entstanden. Die Kinästhetik versucht, das ganze menschliche Tun in die einzelnen Teile aufzugliedern, die für die Effektivität unserer alltäglichen Aktivität entscheidend sind und schult die eigene Bewegungswahrnehmung. In der Betreuung findet eine gemeinsame Bewegung mit dem Menschen statt, die analysiert und auf seine individuellen Bewegungsmuster ausgerichtet wird.

Mobilisation vom Bett in den Rollstuhl.

Der Betreuer fördert die Gesundheit des Menschen, indem er ihn dabei unterstützt, sich selbst zu bewegen. Dadurch werden innere Prozesse wie die Atmung oder die Durchblutung angeregt. Die Kinästhetik versteht sich nicht nur als ein Lernmodell, sondern auch als ein Konzept zur Gesundheitsentwicklung. Mit kinästhetischer Sensibilisierung können Verletzungen sowohl des Betreuers als auch des kranken oder eingeschränkten Menschen vermieden werden. Dadurch wird das rückengerechte Arbeiten gefördert. Fazit: Von diesem Bewegungskonzept profitieren sowohl Pflegende als auch zu Pflegende.

Kinästhetik-Grundkurs-Teilnehmer der KKEL haben sich im kreativen Lernen auf den Weg gemacht, Bewegungsmuster kennenzulernen und Bewegungsmöglichkeiten in der Bewegungsunterstützung zu erweitern. Um diese Qualifikation zu vertiefen und zu erweitern wurden „Refreshertage“ und ein Kinästhetik-Aufbaukurs angeboten. Am 1. November 2015 haben bereits zwölf Praxisanleiter das Zertifikat des „Kinaesthetics-Aufbaukurses“ erworben. Dieses Zertifikat bildet die Grundlage, sich zu diesem Thema weiterzubilden. Praxisanleiter in der Pflege sind mit diesen Kursen qualifiziert, ihre Kollegen auf den Stationen zu Mobilisationskonzepten anzuleiten und zu beraten. Insgesamt haben bereits 33 pflegerische Mitarbeiter Kinästhetikkurse absolviert. Für das Jahr 2016 gibt es bereits Anfragen von weiteren Mitarbeitern, die sich gerne in einem Kurs qualifizieren möchten.

Mobilität und Bewegung

Mobilität und Bewegung sind zentrale Aspekte der menschlichen Entwicklung und Gesundheit. Das Thema Mobilitätsförderung rückt zunehmend in den Mittelpunkt der Pflege, auch im Hinblick auf den neuesten Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“. Dieser wird im zweiten Halbjahr 2016 veröffentlicht. Das hat zur Folge, dass die Förderung der Mobilität nunmehr verbindlich von Einrichtungen und Pflegekräften umgesetzt werden soll. Dieser Standard beschreibt den aktuellen Stand pflegewissenschaftlicher Forschung und bietet einen Rahmen für die Förderung der Mobilität in den alltäglichen Aktivitäten. In Bewegungskonzepten gebildete Mitarbeiter als Experten für die Förderung von Mobilität können darlegen, wie der Expertenstandard mit Bewegungskompetenz als Schlüsselkompetenz eingeführt und umgesetzt werden kann.

Hilfsmittel

Es gibt technische Möglichkeiten, um die Betreuung der Menschen zu erleichtern. Hilfsmittel, z. B. Gleitmatten oder Lifter, kommen hier zum Einsatz. Im Zuge des Projekts „Rückengesundheit“ in den KKEL sind in praktischen Anwendervorstellungen im St. Josef-Hospital und im St. Barbara-Hospital zahlreiche Hilfsmittel von den Pflegenden erprobt worden. Dabei haben sich Hilfsmittel herauskristallisiert, welche zur Anschaffung für die Stationen empfohlen wurden. Derzeit werden auf einigen Stationen PEM-Einweg-Gleitfolien und Antirutschmatten mit Erfolg erprobt. Die Einweg-Gleitfolie wird für Positionswechsel und Transfers von Patienten verwendet. Sie verringert weitgehend die potenziellen Gefahren beim Bewegen von Patienten, wie es das Arbeitsschutzgesetz, die Lastenhandhabungsverordnung und die berufsgenossenschaftlichen Unfallverhütungsvorschriften vorschreiben. Die Antirutschmatte verhindert ein Wegrutschen der Füße im Bett. Während des Um- oder Hochlagerns des Patienten sorgt sie für Sicherheit.