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Angst und Anspannung bestimmen den Alltag vieler psychiatrischer Patienten

Netzwerk Peplau stellte im St. Antonius-Krankenhaus individuelle Unterstützungsmöglichkeiten vor

Ein Artikel von Monika Limberg
Angst und Anspannung bestimmen den Alltag vieler psychiatrischer Patienten

Angst und Anspannung gehören zum Erleben vieler Pati­enten in der Psychiatrie; dies stellt die Pflege vor die Auf­gabe, individuelle und personenbezogene Unterstützung anzubieten. Wie die vorbeugenden Bewältigungsmöglich­keiten konkret aussehen können, haben die Fachpflegen­den in ihren jeweiligen Vorträgen vorgestellt.

Zur Unterstützung von Menschen mit Anspannung und selbstverletzenden Verhaltensweisen stellte Eva Müller vom Universitätsklinikum Münster ihren Skillskoffer vor. Skills sind Fertigkeiten, die dazu dienen, Verhaltensweisen zu entwickeln, um z. B. eigene Anspannungen zu regulieren oder Handlungsfähigkeiten zu erlangen, ohne sich selbst zu verletzen. Zu den Fertigkeiten gehört auch, einen ad­äquaten Umgang mit Stress zu erlernen und schließlich die Skills nach eigener Anspannungsstärke zu nutzen.

Der Skillskoffer, den Frau Müller vorstellte, ist (im wörtli­chen Sinne) ein „Werkzeugkoffer“, dessen drei Etagen in einen grünen, gelben und roten Bereich unterteilt sind. Die Farbgebung hat eine besondere Bedeutung: Der grü­ne Bereich beinhaltet Skills, die bei leichter Anspannung angewendet werden können, z. B. Massagebälle, die über Arme oder Beine gerollt werden können oder Knetbälle, mit denen die Anspannung reduziert werden kann. Der gelbe Bereich enthält Skills, die bei mittlerer Anspannung helfen können, z. B. scharfe Bonbons zum Lutschen. Der rote Be­reich enthält Skills zur Bewältigung starker Anspannung, wie z. B. Wasabipaste. Welche Skills geeignet sind, wird in­dividuell mit dem Patienten erarbeitet.

Eva Müler stellte den Skillskoffer vor. Die Hilfsmittel unterstützen Patienten dabei, Anspannungen abzubauen.

Viele psychische Erkrankungen gehen auch mit dem Erle­ben von Angst einher. Im zweiten Vortrag stellte Tim Maas von den Alexianer-Kliniken in Münster ein Gruppenangebot zur Angstbewältigung vor. In den vier Modulen beschäfti­gen sich die Teilnehmer mit der Definition und den Sym­ptomen von Angst, der persönlich empfundenen Angst, der körperlichen Reaktion und den daraus resultierenden Konsequenzen. Der „Angstkreislauf“ und die Vermeidungs­strategien werden in der Gruppe erarbeitet, genauso wie die Auseinandersetzung mit dem angstbesetzten Medium und ein Belohnungsverfahren. 

Sarah Pielage (l.) stellte den Teilnehmern des Workshops eine Box mit Abbildungen von Lebensmitteln vor, die in der Therapie bei Essstörungen eingesetzt wird.

Im dritten Vortrag präsentierte Sarah Pielage von der Universitätsklinik Münster eine Kochgruppe für essgestörte Patienten. Sie fragte die Teilnehmer ihres Workshops, welches für sie „verbotene“ Lebensmittel seien und welche Vorlieben und Abneigungen jeder selber kenne. Gesunde Menschen können klar benennen, welche Lebensmittel gesund und ungesund sind und was sie mögen oder nicht. Essgestörte Patienten können nicht logisch begründen, warum sie manche Lebensmittel bevorzugen und andere vermeiden – auch wenn es sich um gesunde Lebensmittel handelt. Um ihnen dies klar zu machen, stellte Frau Pielage eine Box vor, die nach dem Ampelsystem eingeteilt ist. Mit deren Hilfe sollen essgestörte Patienten Lebensmittel einteilen, die sie für sich selbst als erlaubt, zum Teil erlaubt und als zu vermeiden klassifizieren. Nach und nach erlernen die Patienten in der Kochgruppe nun den bewussten Umgang mit Lebensmitteln; sie nehmen diese mit ihren Sinnen wahr und erlauben sich auch wieder ihr „Lieblingsessen“. Sie übernehmen unter Anleitung immer mehr Verantwortung und werden bei der Zubereitung der Mahlzeiten und dem gemeinsamen Essen zunehmend selbstständiger.