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Vorne dabei sein ist alles

Im Gespräch: Isabelle Härle

Ein Artikel von Jan D. Walter
Isabelle Härle, geboren am 10. Januar 1988 in Bad Salgau, Baden-Württemberg

Die Schwimmgemeinschaft Essen e.V. ist eine der ersten Adressen im deutschen Schwimmsport und Isabelle Härle eine ihrer besten Schwimmerinnen. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro tritt sie im Freiwasser über zehn Kilometer an – mit guten Chancen auf eine Medaille. Warum die gebürtige Schwäbin ins Ruhrgebiet kam, was sie an ihrer Sportart nicht so mag und was die Olympia-Teilnahme für sie bedeutet, erzählt sie im Gespräch.

Was macht für Sie den besonderen Reiz des Freiwasser-Schwimmens aus?

(lacht) Ehrlich gesagt, stelle ich mir diese Frage auch immer wieder. Meine stärkste Distanz sind die fünf Kilometer, und die gibt es nur im Freiwasser. Im Becken ist das Maximum 1500 Meter. Auf nationaler Ebene habe ich die schon gewonnen, aber für die Weltspitze fehlt mir die Grundschnelligkeit.

Mögen Sie Ihren Sport denn nicht?

Doch, aber eigentlich schwimme ich lieber im Becken. Da habe ich meine Bahn, das Wasser hat 26 Grad und der Anschlag kommt nach 50 Metern. Da kommt es nur auf mich an. Im Freiwasser es gibt Wellen, Strömungen und andere Schwimmerinnen.

Konkurrentinnen gibt es doch auch im Becken.

Schon, aber wenn 30 Mädels auf einmal um dieselbe Boje schwimmen wollen, kann es ordentlich zur Sache gehen. Und das liegt mir nicht so richtig.

Gibt es keine Kampfrichter, die Fouls ahnden?

Doch, sie ermahnen Schwimmerinnen auch häufig. Aber Disqualifikationen sind sehr selten, weil es für die Schiedsrichter letztlich kaum nachzuvollziehen ist, was unter Wasser geschieht. Und was ist mit der Fairness? Die gibt es – vor allem unter den etablierten Schwimmerinnen, die sich untereinander kennen. Aber in einem dicht gedrängten Feld kommt man sich nun einmal in die Quere.

„Dabei sein ist alles!“ gilt als olympisches Motto. Wie beurteilen Sie das als Leistungssportlerin?

Dass ich bei Olympia dabei sein darf, ist einfach großartig – buchstäblich die Erfüllung eines Traumes. Aber ich glaube nicht, dass es Leistungssportler gibt, die sich damit zufrieden geben würden – auch nicht bei Olympia.

Ist solch eine Haltung Voraussetzung dafür, um es so weit zu schaffen?

Auf jeden Fall! Man muss schon einen ausgeprägten Ehrgeiz und Siegeswillen haben. Natürlich hat nicht jeder eine realistische Chance, in Rio aufs Treppchen zu kommen. Aber ich bin mir sicher, dass jeder einzelne Athlet es versuchen wird.

Sie hingegen dürfen aber schon auf eine Medaille hoffen, oder?

Allein die Qualifikation weckt schon Hoffnungen. Aber wie gesagt: Im Freiwasser hängt das nicht allein von mir ab. Wir schwimmen in Rio an der Copacabana, also im offenen Atlantik. Da sind die Wellen so hoch, dass man die Bojen teilweise gar nicht sieht.

Sie kommen eigentlich aus dem tiefsten Schwaben. Was hat Sie ins Ruhrgebiet verschlagen?

Die Liebe. Mein Freund Hendrik Feldwehr trainiert auch in Essen. Die SG Essen war und ist vor allem für ihre Sprinter bekannt. Aber Bundestrainer Henning Lambertz, damals Trainer der SG, traute sich zu, mich als Langstrecklerin zu trainieren. Und ich würde sagen, das hat geklappt.

Haben Sie manchmal Heimweh nach dem Ländle?

Vielleicht ein bisschen, aber ich fühle mich sehr wohl hier. Ich mag die Menschen, die Trainingsbedingungen sind klasse und meine jetzige Trainerin Nicole Endruschat auch. Und im Essener Süden ist es ja auch schön grün, wie im Schwabenland.

Leider darf man im Baldeneysee ja immer noch nicht schwimmen. Wäre das eine Trainingsmöglichkeit für Sie?  

Das wäre es sicherlich, wobei ich es total unheimlich finde, nicht zu wissen, was unter mir schwimmt. Im Wettkampf bin ich zu konzentriert, um mir über so etwas Gedanken zu machen. Aber im Training oder sogar in meiner Freizeit schwimme ich nur ungern in Naturgewässern.

KURZINFO ISABELLE HÄRLE

Geboren: 10. Januar 1988 in Bad Saulgau, Baden-Württemberg

Disziplin: Freiwasser-Schwimmen

Sportliches Ziel: Olympia-Gold über 10 km im Freiwasser

Erfolge im Freiwasser:

  • 2011 Deutsche Meisterin über 5 km
  • 2013 Team-Weltmeisterin über 5 km
  • 2014 Europameisterin über 5 km
  • 2015 Team-Weltmeisterin über 5 km

Erfolge im Becken: mehrfache Deutsche Meisterin über 400, 800 und 1500 m Freistil

Beruf: Sportsoldatin der Bundeswehr

Beru­fliche Ziele: Masterabschluss in Bewegungs- und Gesundheitswissenschaft

Hobbys: Lesen, Freunde treffen