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360 Grad Der Themenblog der KKEL

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Was unsere Pflegekräfte täglich leisten

Pflege aus verschiedenen Blickwinkeln

Ein Artikel von Thomas Kottowski, Beate Röcke und Kristin Hörold-Rothaug

Pflege-Ideal(e) – Pflege zwischen Beziehung und Belastung

Die Sicht des Leitenden Pflegedirektors

Ein Artikel von Thomas Kottowski

Wer über die Arbeit der Pflege berichtet, ihre Aufgaben und Zuständigkeiten beschreibt, kann dies nicht umfassend und glaubhaft tun, ohne einen Blick auf die Gesellschaft, ihren Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden und nicht zuletzt auch auf sich selbst zu richten. Dieses ist nicht einfach, kommen wir doch schnell mit der eigenen Endlichkeit und dem Angewiesensein auf Andere in Berührung.

Längst schon ist der Wunsch, einen Beruf in der Gesundheits- und Krankenpflege zu ergreifen, weitestgehend befreit von den idealisierten Vorstellungen einer Florence Nightingale. Im modernen Geschehen eines Krankenhauses bewegen wir uns heute zwischen Wertschöpfung und Wohlfahrt. Soziale Dienstleistungen richten sich immer auf die allgemeine Wohlfahrtsproduktion, also auf Sicherheit, Gesundheit, Bildung etc. aus. Gleichzeitig sind Krankenhäuser soziale Dienstleistungsunternehmen, die wirtschaftlich arbeiten müssen. Besonders für die Pflegeberufe bedeutet dies eine Umkehrung der Prioritäten von Wohlfahrtsproduktion und Wertschöpfung. Verdichtung und Rationalisierung von Arbeitsabläufen auf immer größeren und komplexeren Stationen kollidieren mit der Ethik und der Tugend des Helfens und bringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegeberufen immer wieder in Konflikte mit dem eigenen Anspruch und der erlebten Wirklichkeit.

Nur langsam setzt sich in der Gesellschaft die Erkenntnis durch, dass zum Erhalt von Gesundheit und körperlicher Unversehrtheit neben einer guten medizinischen Versorgung auch eine angemessene Ausstattung der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit Personal notwendig ist. Auch an der KKEL GmbH geht die gesellschaftliche Entwicklung nicht vorbei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben eine Verdichtung der Arbeit sowie einen stetig wachsenden Anteil hochbetagter, pflegebedürftiger Menschen.

Aber auch die Mitarbeiter altern mit denen, die sie versorgen müssen. Der Anteil der Kolleginnen und Kollegen, die das fünfzigste Lebensjahr überschritten haben, ist bei den KKEL überdurchschnittlich hoch. Erfreulich auf der einen Seite, weil es zeigt, dass es innerhalb der KKEL kaum Personalfl uktuationen gibt. Auf der anderen Seite wird allerdings auch deutlich, dass mit zunehmendem Alter die Krankheitswahrscheinlichkeit steigt und die bei der Personalbemessung eingerechneten „Ausfallquoten“ nicht mehr genügen, um ausreichend gegenzusteuern. In der Konsequenz bedeutet diese Entwicklung, dass die bestehenden Angebote im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Wiedereingliederung von Mitarbeitern konsequent weiter ausgebaut werden müssen.

Darüber hinaus sind umfangreiche Maßnahmen zur Stabilisierung der pflegerischen Stellenpläne erforderlich, die die Altersentwicklung der Mitarbeiter und die damit verbundenen Ausfallzeiten stärker berücksichtigen. All dies gelingt jedoch nur, wenn die Verantwortlichen aus der Politik begreifen, dass es Pflege nicht zum Nulltarif geben kann. Bleibt zu hoffen, dass der Protest der Pflegenden beim Aktionstag in Berlin und die Beteiligungen an der „Aktiven Mittagspause“ nicht ergebnislos verhallen, sondern der Pflege und den Pflegebedürftigen eine wahrhaftige Perspektive bieten.

„Der Dank der Patienten ist unsere Motivation“

Die Sicht einer Stationsleitung mit langjähriger Berufserfahrung

Ein Artikel von Beate Röcke

Ich bin 61 Jahre alt und gelernte Kinderpfl egerin. Da ich als Einzelkind aufgewachsen bin, habe ich es besonders genossen, mit Kindern umzugehen, für sie zu sorgen und mich mit ihnen zu beschäftigen. 1973 habe ich auf der damaligen Kinderstation im St. Josef-Hospital angefangen; sieben Jahre später habe ich dann eine Ausbildung zur Krankenschwester drangehängt. Mein Arbeitsplatz war dann die Innere Abteilung (früher M1). 1990 wurde ich stellvertretende Stationsleitung auf der Gynäkologie, später dann übernahm ich die Leitung der Station.

2005 wechselte ich dann zur Onkologischen Station. Die Patienten hier sind schwer krebskrank und wir Pflegekräfte sehen sie über einen längeren Zeitraum mehrmals, wenn sie zur stationären Behandlung ins Krankenhaus kommen. Dadurch kann sich auch ein etwas persönlicheres Verhältnis entwickeln als z. B. auf der Chirurgischen Station. Auch Freundschaften wurden hier schon unter den Patienten geschlossen und wir bemühen uns immer, dies bei der Zimmerbelegung zu berücksichtigen, wenn es machbar ist. Sollten bei der täglichen Arbeit Schwierigkeiten auftreten, besprechen wir diese im Team und regeln es sofort. Das halte ich für wichtig, um den reibungslosen Ablauf auf der Station zu gewährleisten. Wenn ich auf meine Rolle als Stationsleitung zurückblicke und damals mit heute vergleiche, stelle ich fest, dass sich die Aufgaben mittlerweile wesentlich unterscheiden. Die Zeit für administrative Aufgaben, die dann für die eigentliche Patientenversorgung am Bett fehlt, nimmt im Vergleich zu früher viel mehr Raum ein. Auch ist die Zeit für Tätigkeiten, die ich in meiner Funktion als Stationsleitung in der Qualitätssicherung erbringen muss, maßgeblich gestiegen – zum Beispiel im Zusammenhang mit der Pflegedokumentation sowie der Erstellung der Dienst- und Urlaubsplanungen. Das Ganze vor dem Hintergrund immer kürzerer Liegezeiten und schneller Patientenwechsel ist einmal mehr eine große Herausforderung!

Das Bild zeigt einen Stationsarbeitsplatz.

Durch die jahrelange Berufserfahrung habe ich jedoch gelernt, meine Kräfte einzuschätzen und erkenne so, wann eine Überforderung droht. Dies ist ein großer Vorteil, wenn man so lange Zeit im Beruf ist. In den letzten Jahren hat sich – gerade im Hinblick auf die Patientendokumentation – vieles verändert, aber ich sehe das Positive in den Neuerungen und versuche, diese Haltung auch meinen Mitarbeitern zu vermitteln. Wichtig ist mir, mit Freude auf die Menschen zuzugehen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie hier gut aufgehoben sind und wir Pflegekräfte uns immer zuerst für ihr Wohlergehen verantwortlich fühlen. Besonders stolz sind wir, wenn sich Patienten auch nach Jahren noch bei uns melden und sich für die gute Behandlung bedanken. Das ist eine tolle Motivation!

„Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für unsere tägliche Arbeit“

Die Sicht einer Stationsleitung am Anfang der Berufsausübung

Ein Artikel von Kristin Hörold-Rothaug

Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Gelsenkirchen. Meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin habe ich 2009 absolviert und bin seit Dezember 2014 als Stationsleitung im St. Barbara-Hospital beschäftigt. Ich merkte schon frühzeitig, dass der Umgang mit Menschen und ihre Unterstützung mir Freude bereitete. Bedingt durch die Erkrankung meines Großvaters, den ich regelmäßig besuchte, lernte ich die Bedeutung von Hilfestellung und Unterstützung kennen. Nach meinem Abitur und kurzer Orientierung in der Wirtschaft entschloss ich mich, eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu machen.

Ich arbeite auf einer 38-Betten-Station mit den Fachbereichen Neurologie, Viszeralchirurgie und HNO. Zu meinen Aufgaben zählt die komplette Organisation der Station und des Stationsalltags: Dies beinhaltet nicht nur die Pflege, sondern auch das Bestellen von Medikamenten und Pflegematerialien sowie das Erstellen von Dokumentationen. Auch die Begleitung von Patienten zu Untersuchungen gehört dazu. Als Stationsleitung verantworte ich die Pflegequalität und stehe im direkten und täglichen Austausch mit dem ärztlichen Dienst und meinen Kollegen an den Schnittstellen.

Ich bin dafür verantwortlich, dass alle Patienten adäquat und prozessorientiert versorgt werden. Darüber hinaus bin ich auch für die nachstationäre Weiterversorgung verantwortlich. Wir arbeiten in einem multiprofessionellen Team. Einmal in der Woche findet ein Teamgespräch statt; hierbei wird über jeden Patienten, seinen Zustand und weitergehende Maßnahmen gesprochen. Dies betrifft z. B. den Heilungsverlauf infolge therapeutischer Anwendungen oder die anstehende Entlassung. „Pflege“ beinhaltet mehr als nur „Waschen und Medikamente verabreichen“, sie ist ein komplexer Prozess, der sich individuell an jedem Patienten orientiert. Aus meiner Sicht ist Pflege dann gelungen, wenn die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden und auch die medizinische Therapie am Patienten Wirkung zeigt. Ich bin nach einem knappen Jahr in meiner Rolle als Stationsleitung angekommen; das Verhältnis zu den Kolleginnen und Kollegen sowie den Ärzten auf der Station ist gekennzeichnet durch gegenseitigen Respekt und Anerkennung.

Der Aufgabenbereich und die Anforderungen werden jedoch stetig größer; dabei kann die körperliche Belastung durch den Einsatz spezieller Hilfsmittel reduziert werden. Auch der Dokumentationsbereich wächst, hier gibt es regelmäßige Neuerungen, die zur Qualitätssicherung wichtig sind, jedoch viel zusätzliche Zeit erfordern. Pflege kann auch zur Belastung werden: Der Pflegeaufwand nimmt zu und durch schnellstmögliche Untersuchungen sind wir häufig im normalen Arbeitsrhythmus eingeschränkt. Die Folge: Mahlzeiten werden verspätet ausgeteilt, Untersuchungen werden verschoben, andere Patienten müssen länger warten. Dies belastet auch uns als Pflegepersonal. Auch an den Ärzten geht der Stress nicht spurlos vorüber.

Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für unsere tägliche Arbeit, mehr Verständnis für unser Handeln und die Fähigkeit eines jeden Pflegenden zur Eigenreflektion. Wir alle werden schließlich einmal alt und eventuell pflegebedürftig!

„Wichtig sind gegenseitige Wertschätzung und eine gute Kommunikation“

Die Sicht eines Gesundheits- und Krankenpflegeschülers im 2. Ausbildungsjahr

Ein Artikel von Frederik Todeskino

Ich bin 33 Jahre alt und befi nde mich momentan im Mittelkurs zur Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger bei der KKEL GmbH. Nach meinem Abitur habe ich Zivildienst im Marienhospital in Gelsenkirchen-Ückendorf auf der Orthopädischen Station geleistet und wollte anschließend ein Lehramtsstudium mit der Fächerkombination Sport und Geographie absolvieren, was ich aufgrund einer Sportverletzung jedoch nicht realisieren konnte.

Die Motivation für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger liegt in der Vielfältigkeit des Berufs. Zum einen ist ein hohes Maß an fachlicher Qualifikation essenziell, zusätzlich spielt aber auch die Kommunikation zwischen Patient und Pflegekraft eine übergeordnete Rolle. Diese Kombination und die Möglichkeiten, sich im Verlauf des Berufslebens qualifiziert weiterbilden zu können, gaben letztendlich den Ausschlag bei meiner Entscheidung für diesen Beruf.

Meine Ausbildung ist in zwei Bereiche aufgeteilt, den schulischen und den praktischen Bereich, welche jeweils in Blöcken aufeinander folgen. Im theoretischen Teil wird die fachliche Grundlage für den nächsten praktischen Einsatz gelegt, die dann dort angewendet und praktisch eingeübt werden soll. Im Stationsalltag fühle ich mich als Bindeglied zwischen Patient und examinierter Pflegekraft. Zwar kann ich erlerntes Wissen selbstständig anwenden und habe somit auch ein gewisses Maß an Eigenständigkeit, aber manche Aufgaben dürfen natürlich nur die examinierten Pflegekräfte übernehmen.

Ich werde oft gefragt, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Für mich ist es eine Herausforderung, dem Vertrauen, das Patienten und deren Angehörige in mich setzen, gerecht zu werden. Hierzu zählt sicherlich in erster Linie die Genesung des Patienten, aber mir ist es auch wichtig, dass sich Patient und Pflegepersonal während dieses Prozesses wohlfühlen. Hierbei sind für mich die gegenseitige Wertschätzung und eine angemessene Kommunikation von Bedeutung. Leider bleibt die Kommunikation bei dem heutigen Personalschlüssel häufig auf der Strecke und mein Ziel einer „gelungenen Pflege“ rückt ein Stück weit in die Ferne.

Ich wünsche mir von der Politik und den Verantwortlichen, dass mehr Fachpersonal in der Pflege eingestellt wird. Ich brauche keine Lohnerhöhung, wie Erzieher oder Ärzte es für sich einfordern, sondern möchte meinen Beruf vernünftig ausüben und meine Freizeit planen können. Stattdessen ist es häufig so, dass ich für andere Mitarbeiter „einspringen“ muss.